Der Künstler Horst Wohlers installiert weiße Faltobjekte aus PVC und schafft schöne Spiele mit Licht und Schatten
+ August 2009
KUHBIER - Wer sich für die Objekte des Schleswig-Holsteinischen Künstlers Horst Wohlers richtig Zeit nimmt, wird belohnt: Ihre Faszination ist dann am größten, wenn der Betrachter selbst aktiv wird. Der 74-Jährige Wohlers baut seit gestern seine ungewöhnlichen Skulpturen in der kleinen Kirche in Kuhbier (Gemeinde Groß Pankow) auf. Um in die richtige Stimmung zu kommen, hat sich der ehemalige Kunsterzieher sakrale Choräle angestellt.
Es wird Wohlers’ erste Ausstellung in den neuen Bundesländern. Und die erste in einer Kirche: „Das wollte ich schon immer machen – einen von menschlichen Gefühlen und von Religion bestimmten Raum für etwas ganz anderes nutzen.“ Dabei will der Künstler seine großen Objekte so arrangieren, „dass es nicht stört bei allem, was hier stattfindet“.
Wohlers’ Werke verkörpern mit den weißen Flächen und den schwingenartigen Gebilden die Unendlichkeit – die sich auch Christen wünschen. Weiß erinnert an das, was von oben kommt, erklärt er. Er installiert seine Ausstellungsstücke so, dass sie sich nicht bewegen: „Ich will, dass der Betrachter sich bewegt“, betont der 74-Jährige. Dieser soll die Stücke selbst für sich erobern, falls es ihn interessiert. „Dann hat er einen Gewinn.“ Und wirklich: Die geschwungenen oder wohlüberlegt geknifften und gefalteten Formen werden zu etwas völlig Neuem, wenn man sich die Mühe macht, den Winkel zu ändern. Dabei spielt nicht nur das wechselnde Tageslicht in der kleinen Kirche eine Rolle, das die Formen in Licht und Schatten taucht.
Faszinierend lebendig wird auch eine schwarze, doppelte Metalltafel, die mit kleinen Löchern übersäht ist. „Chaogenes Objekt“ nennt Wohlers das Werk, von Chaos. Je nachdem, wo der Betrachter steht, bildet sich in der Mitte des Blickfeldes eine plastische Kugel, die immer im Zentrum des Blickes bleibt. „Es stellt sich eine klare Ordnung ein, die entsteht aber nicht im Objekt, sondern auf der Netzhaut des Betrachters.“
Drei Teile will Wohlers zunächst in der Kuhbierer Kirche aufbauen – wie, das weiß er noch nicht genau. Er installiert seine federleicht wirkenden, flexiblen Objekte aus immerhin fünf Millimeter dickem PVC am Boden oder in der Luft. Und nimmt Bezug auf den ihn umgebenden Raum: „Sonst erschlage ich ihn ja.“ Dabei kann der Schleswig-Holsteiner auch „ganz groß“: „Auf der Nord Art habe ich eine 25 Meter lange Wand mit Exponaten.“ Sein Material wird üblicherweise im Messebau verwendet, weiß Wohlers. Er verformt das PVC thermisch per Hand, bringt die Kniffe ganz präzise an. Für jede Faltung macht Wohlers ein neues Werkzeug.
Wohlers kann die handlichen bis überdimensionalen Objekte kann legen, stellen oder hängen. Manche hat er vor Jahrzehnten hergestellt, andere erst im vergangenen Jahr – so wie die 1,50 Meter langen Teile, die er jetzt mit nach Kuhbier gebracht hat. Künstler Wohlers installiert sie immer wieder neu und anders. Und schafft so jedes Mal neue Kunstwerke.
Wann die Ausstellung in der Kuhbierer Kirche eröffnet wird, steht noch nicht endgültig fest. (Von Beate Vogel)
Kunst im Großformat
Horst Wohlers lebt und arbeitet in der Alten Drahtmühle in Grönwohld bei Trittau im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein).
Vier Berufe hat der heute 74-Jährige gelernt, war Maschinenbauer, besuchte abends Zeichenkurse an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, studierte freie Kunst, später auf Lehramt. Zuletzt war er 25 Jahre lang Kunsterzieher an einem Gymnasium in Hamburg.
Seit Jahrzehnten stellt er seine Skulpturen aus PVC her, die er regelmäßig auf Ausstellungen präsentiert.
Die internationale Kunstmesse Nord Art bietet Horst Wohlers seit 2003 eine vor allem großflächige Plattform. Auf der noch bis 27. September laufenden Nord Art 09 zeigt er seine Werke auf einer 25 Meter langen Wand.
(von Beate Vogel, Märkische Allgemeine - mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)



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